Von Jusos, Jakobinern und deren «Revolutionskalender!»

Bildlegende: Kommentar von CVP-Präsident Gerhard Pfister zum «Religionspapier» der Jusos
Die Jusos beschlossen kürzlich ein «Religionspapier». Darin fordern sie die Abschaffung aller religiös begründeten Feiertage. Weihnachten oder Ostern etwa! Ausserdem soll den Kirchen verboten werden, soziale Arbeit zu machen. – Weshalb erinnert die Mache der Jusos an jene der Jakobiner, die um die Wende des 17./18. Jahrhunderts den Gregorianischen durch ihren «Revolutionskalender» ersetzten?

Antworten dazu im Kommentar von Nationalrat und CVP-Präsident Gerhard Pfister, Zug.

Den Kirchen soll verboten werden, soziale Arbeit zu machen, alles müsse dem Staat überlassen werden. In der Radikalität der Forderungen erinnern mich die Jusos an die Jakobiner in der französischen Revolution, die den Gregorianischen Kalender ersetzten mit dem Revolutionskalender, der 1805 dann von Napoleon wieder abgeschafft wurde. Diese Tugendwächter wollten ebenfalls den Menschen die Religion austreiben, notfalls mit Hinrichtungen. Sie ersetzten die religiösen Rituale durch einen „Kult der Vernunft“ – ein Oxymoron erster Klasse, mit einem hohen Blutzoll, den die Bevölkerung zahlen musste.

Wie für die Jakobiner ist auch für die Jusos einer gelebten und gewachsenen Kultur, der Geschichte und Identität einer Gesellschaft nur mit einem kulturkämpferischen Exorzismus beizukommen. Überraschend, dass sie nicht auch gleich fordern, man müsse alle Kunstwerke mit christlichen Motiven abhängen, verhüllen oder halt auch entsorgen. Die Schweiz als Kalifat der Jusos.

SP Nationalrat Philipp Hadorn bezeichnete das Ansinnen als falsch, und forderte sie auf, sich stärker mit den Inhalten und den „Werten“ (wer hätte das gedacht!) auseinanderzusetzen, die diese christlichen Feiertage ausmachen. Zur Frage einer Leitkultur, die die Jusos kritisierten, antwortete er: „Es ist wichtig und richtig, dass wir zu unserem christlichen Hintergrund und christlichen Werten stehen.“ Eine Boulevardzeitung machte daraus die Forderung, dass die „Jusos sich auf die christlichen Werte besinnen sollen“. Das wiederum sagte Hadorn gerade nicht. Zu Recht.

Denn zu den Werten zu stehen, die eine Gesellschaft prägen, heisst eben nicht, zu verlangen, dass alle diese Werte teilen müssen. Gerade das ist die grosse zivilisatorische Errungenschaft der Aufklärung und der daraus resultierenden Idee der Menschenrechte, der Demokratie, des Rechtsstaates. Die eine christliche Geschichte haben. Aber nicht das Christentum einfordern. Man kann in unserer Gesellschaft glauben, was man will. Aber nicht machen, was man will. Der antichristliche Furor der Jusos ist auch nicht zielgenau. Denn mindestens der Osterhase und die gefärbten Eier sind nicht aus dem Christentum entstandene Symbole. Sondern aus der „heidnischen“ germanischen Kultur. Die Jusos wollen das Falsche aus den falschen Gründen abschaffen. Aber unsere christlich geprägte Kultur wird auch das unbeschadet überleben, indem sie den Jusos den Raum gibt, auch Unsinn fordern zu dürfen. In einem Kalifat nach ihrem Geschmack wäre das kaum möglich.

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