Absprung vom Tellerrand? –
Diplomatie am Abgrund!

„Haben Sie Ihre Wähler betrogen?“ So lautete kürzlich der provokative Titel eines scheinbar naiven Journalisten in einem Radiobeitrag zum überraschend angekündigten Rücktritt des Nationalrates, der im Ausland wohnt.
Ein Kommentar von Cyrill Wyss

Vielleicht ist es Ihnen gegangen wie mir, als Sie vom besagten plötzlichen Rückzieher des Politikers erfuhren. – Kaum sind zwei Jahre als gewählter Parlamentarier ausgesessen, ist fertig lustig! Was ist davon zu halten? – War der Rücktitt bereits geplant, bevor der Diplomat und SP-Mann aus Berlin überhaupt kandidiert hat?
Was meinen Sie? Handelt es sich beim Rücktritt tatsächlich um einen überraschenden Absprung vom Tellerrand, wie im Nachinein suggeriert worden ist? Oder begibt sich ein gewiefter alternder Diplomat mit fadenscheinigen Argumenten ganz freiwillig an den Abgrund seiner Glaubwürdigkeit, ohne dies zu bemerken?

Die Berichterstatter räumten dem scheidenden Nationalrat, Buchautor, Politologen, Auslandschweizer, Sozialdemokraten, ehemaligen Botschafter in Deutschland etc. allgemein viel Raum ein, um sich ganz grundsätzlich und wohlüberlegt erklären zu können. Kaum ein Nachrichtengefäss, das zu klein gewesen ist, um den Diplomaten ausführlich und differenziert zu Wort kommen zu lassen. Fragen über Fragen wurden gestellt. Allesamt nüchtern und sachlich beantwortet. Es sei für ihn Zeit zu gehen, etwa „weil das eidgenössische Parlament nicht die Pro Senectute ist“. So und ähnlich soll der linksintellektuelle Brillenträger – nach eigenem Bekunden ganz plötzlich und kurzfristig – erkannt haben. Peinlich, nicht wahr? – Als ich dieses und weitere seiner Argumente vernommen habe – die mir so fadenscheinig vorkamen, dass sie hier nicht erwähnt werden -, hatte ich plötzlich das Gefühl, die Schweizer Diplomatie stehe am Abgrund.

Aber man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten!

Also: Weshalb kandidiert ein angeblich weitsichtiger, angeblich besonders sozial denkender Diplomat überhaupt als eidgenössischer Parlamentarier mit bleibendemn Wohnsitz Berlin? Und weshalb tut er zei Jahre später so, als träten die damit verbundenen Strapazen sowie die erforderliche Pendelei zwischen Berlin und Bern für ihn, den weitgereisten Diplomaten und Politologen(!), völlig überraschend zu Tage? – Der Nachfolger des versierten Diplomaten aus Berlin soll der ehemalige Präsident der Jungsozialisten werden. Wir erinnern uns: Die Jungsozialisten sind jene, die Jahr für Jahr mit Protestaktionen für Aufsehen sorgen, wenn die Welt auf die Köpfe des Wirtschaftsforums in Davos schaut, um zu erfahren, wie die Verantwortungsträger verschiedenster Nationen, Kulturen und internationaler Konzerne miteinander sprechen, wenn es darum geht, Probleme einer Welt zu lösen, in der sie gemeinsam überleben wollen!

Wie lautete noch der Titel des erwähnten Radiobeitrages?

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