„Hausordnung respektieren!“

Nationalrat Christophe Darbellay, Parteipräsident CVP Schweiz

Die Schweiz ist das Haus, in dem die Schweizerinnen und Schweizer leben. Wer hier mit uns zusammen leben will, muss die Hausordnung respektieren. Die Schweiz ist nicht ein Hotel, das sich nach den Wünschen seiner Gäste zu richten hat.

Gedanken von Christophe Darbellay zum 1. August

Immer wenn ich nach der Session über die grosse Treppe das Bundeshaus verlasse, sehe ich auf der gegenüberliegenden Wand ein Relief. Es zeigt, wie gemäss der Sage die ersten Schwyzer in den Kanton Schwyz eingewandert sind.

Die Eidgenossenschaft ist etwas, was gewachsen ist. Ein Projekt, an dem sich immer wieder neue Menschen beteiligt haben. Unsere Generation hat diese Eidgenossenschaft von unseren Vorfahren geerbt. Wie bei einem geerbten Haus, kann man sich über das schöne Zuhause freuen. Gleichzeitig übernimmt man mit dem Erbe aber auch Verantwortung und mit der Verantwortung kommen die Sorgen. Dass man sich sorgt, ist gut, aber man soll nicht in Panik geraten. Unsere Vorfahren haben manche Krise gemeistert und wir sind stark genug, um mit neuen Problemen fertig zu werden.

Eine der Sorgen, die viele Menschen in unserem Land bewegt, ist die Einwanderung. Es gibt Leute, die in Panik verfallen und hinter verriegelten Fenstern und Türen schlotternd das Ende der Schweiz erwarten. Es gibt solche, welche diese Panik bewusst schüren und bewirtschaften. Sie wollen zu Rettern der Schweiz werden, dabei sind sie Brandstifter.

Die Schweiz hat immer wieder Einwanderer aufgenommen. Dass Einwanderung und Offenheit auch Probleme schaffen, ist nicht neu. Es ist nicht immer einfach, mit Leuten zusammenzuleben, welche die Regeln des Zusammenlebens erst lernen müssen und manchmal gar nicht so begeistert lernen wollen. Trotzdem, die Integration in der Schweiz funktioniert recht gut. Einwanderergruppen, bei denen es zuerst Friktionen und erhebliche Aufregung gab, werden heute als selbstverständlicher Teil der Schweiz wahrgenommen. Junge Menschen, die entweder selber Einwanderer sind oder Einwanderer als Eltern haben, begeistern sich für die schweizerische Politik und unsere Institutionen. Natürlich gibt es immer auch Einwanderer, die sich nicht integrieren können oder wollen. Solche Leute müssen wissen, dass man zu diesem Land und seine Spielregeln als Ganzes Ja sagen muss, wenn man hier leben will.

Die Schweiz ist das Haus, in dem die Schweizerinnen und Schweizer leben. Wer hier mit uns zusammen leben will, muss die Hausordnung respektieren. Die Schweiz ist nicht ein Hotel, das sich nach den Wünschen seiner Gäste zu richten hat.

Dies gilt für alle Menschen, die in unser Land kommen – auch für die Flüchtlinge. Wir halten humanitäre Tradition der Schweiz hoch und das bedeutet, dass wir echten Flüchtlingen Zuflucht bieten müssen.Damit wir aber Raum und Akzeptanz haben für diese Menschen in Not, müssen wir auch streng sein gegenüber jenen, welche diesen Status zu unrecht für sich in Anspruch nehmen. Personen, die sich unbegründet in der Schweiz als Flüchtlinge aufhalten, müssen das Land auf dem schnellsten Weg verlassen oder dürfen gar nicht erst einreisen, schon gar nicht, wenn es sich um Extremisten handelt.

Zuwanderung ist aber auch ein Kompliment. Menschen wollen in die Schweiz kommen, weil die Schweiz ein erfolgreiches, friedliches und wohlhabendes Land ist. Die Schweiz hat Zuwanderung weil sie ein Erfolgsmodell ist. Dieses basiert auf der Bereitschaft, sich anzustrengen und für sich selber Verantwortung zu übernehmen, auf der Toleranz und Achtung vor den anderen und auf der Achtung vor den Gesetzen, die ein sicheres Zusammenleben ermöglichen.

Die Schweiz hatte immer wieder Probleme, weil sie ein offenes Land ist. Sie hat diese Probleme gelöst und ist dadurch stärker geworden. Sie hat nicht den Kopf in den Sand gesteckt und gesagt, sie riegle sich ab und wolle von der bösen Welt nichts mehr wissen. Wir brauchen keine Panik und keine Brandstifter. Wir brauchen eine starke Schweiz. Dazu müssen wir
• unsere Familien stärken, damit sie kommenden Generationen die schweizerischen Werte vermitteln können;
• unsere KMU unterstützen, denn sie bieten sichere Arbeitsplätze und tragen zur sozialen Sicherheit und zum Arbeitsfrieden in unserem Land bei; für die Sicherheit der Menschen in diesem Land sorgen, indem wir unsere Gesetze und Regeln konsequent durchsetzen und
• dafür sorgen, dass sich die Schweiz aufgrund ihrer Traditionen und Werte weiterentwickeln kann, wie sie sich im Lauf der Jahrhunderte immer entwickelt hat und dabei doch einzigartig geblieben ist.
Seien wir dankbar für das wunderbare Erbe, das wir bekommen haben. Seien wir stolz darauf, dass wir an diesem wunderbaren Land weiterbauen können. Seien wir uns unserer Verantwortung bewusst, die wir gegenüber den kommenden Generationen von Schweizerinnen und Schweizern haben und gehen wir diese Herausforderungen mit Besonnenheit, Tatkraft und Vernunft an. Diskutieren wir die Lösungen mit gegenseitigem Respekt, wie das unseren demokratischen Institutionen entspricht. Dann werden wir die Probleme lösen, wie sie die Schweiz immer gelöst hat.