Eine kurze Weihnachtsgeschichte – Die Schweiz einst und heute?

Bildlegende: Eine kurze Weihnachtsgeschichte. Foto: «Winter in Saas-Fee» von Cyrill Wyss
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Wie nahmen Reisende uns und unsere Schweiz vor 250 Jahren wahr? Welche Eindrücke haben die „Fraue und Manne“ in ihrer Heimat bei Besucherinnen und Besuchern hinterlassen, die mit Postkutsche und Fuhrwerk über holprige Strassen und durch enge Gässchen kurvten? Worüber haben sie nachgedacht; worüber geschrieben, wenn sie sich an langen Winterabenden in Gasthöfen von den Strapazen ihrer Reise duch unser Alpenland erholten? Was und worüber würden sie heute berichten? – In seiner kurzen Weihnachtsgeschichte regt Walter Ostermeier mit einer vergleichenden Betrachtung zum kritischen Nachdenken an.
(Foto: «Winter in Saas-Fee» von Cyrill Wyss)


Mein Herr! Die starke Einbildungskraft Ihrer Landsleute muss weit über den Instinkt der armen Schweizer gehen, die zwischen ihren Bergen eingeschlossen sind, deren ewiger Schnee die Geister erkältet und ihnen nur das Denkvermögen lässt. Ihr Brief hat mir fast die Glut Ihrer Gefühle mitgeteilt; auf ein Haar hätten die beiden Kaiserinnen und alle mit ihnen verbündeten Könige mich mit Staunen und Bewunderung erfüllt.

Der menschliche Geist ist so geartet, dass er alles, was ihm grosse, gewaltige oder wunderbare Vorstellungen erweckt, leidenschaftlich ergreift. Daher kommt es, dass erlauchte Schurken sich den Ruf großer Staatsmänner erwarben, während wahre Wohltäter der Menschheit, Männer, die ihrem Vaterland in der Stille nützten, indem sie Künste erfanden oder ermunterten, in schmähliche Vergessenheit sinken.

Heute, gut 250 Jahre später würde derselbe Brief etwas anders lauten.
Die Masslosigkeit von den Staaten und den Menschen, mit denen die Schweiz umgeben ist, hat dazu geführt, dass Teile des Schweizer Volkes, Teile der politischen Elite, Teile der Wissenschaft oder Teile der Kulturschaffenden sich dieser Masslosigkeit mit allen, vor allem aber mit Lügen gegen das eigene Volk an die Länder dieser Masslosigkeit verkaufen wollten.

Der Schweizer ist heute nicht mehr von Bergen eingeschlossen, sondern von Hochhäusern und Industriegebäuden. Wo kein Platz mehr ist für die einst gelebte Kultur, wo der Jugend in Museen gezeigt werden muss, was eine Kuh ist, die Milch gibt. Man kann sich heute nicht mehr Unterhalten wie früher, weil allein die Namen kaum mehr aussprechbar sind, geschweige denn deren Sprache zu sprechen. Die Schweiz hat sich ohne Zwang die Wurzeln seines „Sein“ selbst abgeschnitten.

Der Zerfall dieses Volkes ist nur eine Frage der Zeit.