Nach dem Nein zur Erbschaftssteuer – Erbschaft und Schenkung

Bernhard Madoerin, Basel  - Erbrecht, Beratung, artax Fide Consult AGOhne Testament oder ohne Erbvertrag greift die gesetzliche Erbfolge. Ein Ăśberblick zu den verschiedenen Szenarien.
Von Dr. iur. Bernhard Madörin, Steuer- und Treuhandexperte, zugelassener Revisionsexperte RAB, zugelassener Versicherungsvermittler FINMA

Erbrecht ohne Familie
Eine alleinstehende Person vererbt im Falle ihres Todes ihr ganzes Vermögen an ihre Eltern. Sind diese bereits verstorben, fällt es an die Nachkommen der Eltern (Geschwister). Weiter kommen Grosseltern oder deren Nachkommen zum Zuge. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Familie im weiteren Sinne als Erbe auftritt. Je älter der Erblasser, desto breiter verteilt sich das Vermögen.

Empfehlung an Alleinstehende: Definieren Sie durch ein Testament Ihre Erben. Setzen Sie Ihnen nahestehende Personen oder Lebenspartner als Erben ein.

Erbrecht mit Ehepartner
Bei kinderlosen Ehepaaren erben der Ehegatte sowie die Eltern. Anstelle der Eltern (bei Vorversterben) treten deren Nachkommen.
Empfehlung: BegĂĽnstigen Sie durch ein Testament Ihren Ehepartner.

Erbrecht mit Familie
Bei Ehepaaren mit Kindern erben die Nachkommen und der überlebende Ehegatte. In diesem Fall bleibt das Vermögen innerhalb der Familie. In vielen Fällen sind hier keine erbrechtlichen Verfügungen notwendig. Bei komplexeren Vermögensmassen empfehlen sich erbrechtliche Verfügungen, um die Aufteilung der Erbmasse vorzubestimmen. Möglichkeiten sind: Bevorzugung des überlebenden Ehegatten, Bevorzugung der Kinder, Bevorzugung eines Kindes, Gestaltung der Unternehmensnachfolge, Erhaltung von Vermögensobjekten innerhalb der Familie, etc. Die Varianten sind zahlreich und gute Lösungen verhindern Erbstreitigkeiten.

Erbvertrag
In einem Erbvertrag treffen zwei oder mehrere Personen auf den Tod hin gegenseitige Vereinbarungen. Der Vertrag muss öffentlich beurkundet sein. Häufigster Fall: Erbvertrag unter Ehegatten, oft in Ergänzung mit einem Ehevertrag.

Testament
Ein Testament kann ab dem Alter von 18 Jahren rechtsgültig errichtet werden. Es muss handschriftlich sein von Anfang bis Ende. Es kann jederzeit abgeändert werden. Es empfiehlt sich eine Aufbewahrung an einem sicheren Ort, am besten beim Erbschaftsamt. Nicht zu Hause. Wer weiss sonst wo es aufbewahrt wird, ausser dem Verfasser, und wer garantiert seine korrekte Eröffnung? Der Finder kann z.B. kein Interesse daran haben, das Testament abzugeben, wenn er sieht, dass er auf den Pflichtteil gesetzt wurde.

Legate und Erbeinsetzung
Durch Testamente können vom Erblasser gesetzliche Erben oder zusätzliche Erben eingesetzt werden.
Z.B. Herr Meier wird zu 1/3 Erbe, etc. Damit ist eine Quote definiert.
Es können aber auch Legate eingesetzt werden. Z.B. Herr Meier erhält CHF 10’000.–. Damit ist ein Betrag oder eine Sache definiert.
Möglich sind Kombinationen: Erbein-setzungen, Vorerbeinsetzungen, Legate, Kaufrechte, etc.

Testamentsvollstrecker
Die Einsetzung eines Testaments-vollstreckers kann sehr nützlich sein. Er ist unabhängig und hat gegenüber den Erben eine neutrale Stellung. Er kann auf diese Weise zu einer friedlichen Erbteilung dienlich sein. Sofern eine Erbteilung in der engsten Familie stattfinden soll, kann auf die Ernennung eines Testamentsvoll-streckers verzichtet werden (oder er ist gerade besonders gefragt).

Denkbar ist auch folgende Lösung: Sofern einer der Erben es wünscht, wird als unabhängiger Testamentsvollstrecker ein bestimmter Vollstrecker eingesetzt.

In den meisten Fällen lohnt es sich, sich Gedanken über die Nachfolge zu machen. Ärger, Umtriebe, Geld und unnötige Steuern können vermieden werden.

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