Schweizer Perlen

Bildlegende: Kommentar von CVP-Präsidenten Gerhard Pfister: «Wo ist es weltweit für Ausländer oder Investoren am einfachsten...?»
Was denken Sie, wo ist es weltweit für Ausländer oder Investoren am einfachsten, ein innovatives Unternehmen mit hoher Wertschöpfung zu kaufen? In den USA, in Grossbritannien, in der EU, oder in Singapur? Falsch: in der Schweiz. Wir sind aber nicht einfach liberaler als andere Länder. Wir sind nur naiver. Bis jetzt.

Ein Kommentar von CVP-Präsident und Nationalrat Gerhard Pfister, Zug

Als vor einigen Monaten der Schweizer Konzern Syngenta von Chem China für 43 Milliarden Franken übernommen wurde, war der Jubel gross. Es handelte sich um die grösste Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen bis jetzt. Die Handelszeitung schrieb von einer „Chance für Syngenta Anleger“. Doch heute stellen Ratingagenturen den Unternehmenswert stark in Frage. Es stellte sich offenbar heraus, das Chem China keineswegs eine Staatsgarantie besitzt, und dass damit der mit Schulden finanzierte Kauf von Syngenta mit grossen Risiken verbunden war. Das ist kein Einzelfall, weder in der Schweiz, noch anderswo. In der EU und in den USA diskutiert man schon länger die Frage, wie man strategisch wichtige Firmen vor Übernahmen durch ausländische, vor allem chinesische, Investoren, schützen soll.

Auch die Schweiz sollte sich dieser Diskussion stellen. Ist es gewünscht, dass beispielsweise für unsere Infrastruktur wichtige Unternehmen von ausländischen Staatsbetrieben dominiert werden sollen? Ist es sinnvoll, dass erfolgreiche, technologisch hoch innovative und international bestens aufgestellte Schweizer Unternehmen von aggressiven, an kurzfristigen Gewinnsteigerungen interessierten Investoren unter Druck gesetzt werden? Ist nicht ein wesentlicher Grund für den Erfolg dieser „Schweizer Perlen“, dass sie eben nicht kurzfristig, sondern nachhaltig wirtschaften? Welche Verantwortung hat eigentlich ein Aktionär für das Unternehmen? Wir kommen nicht darum herum, uns diesen Fragen auch in der Politik zu stellen.
Die „Schweiz am Wochenende“ schrieb am 21. Oktober: „Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), warnte im August vor der gefährlichen Zunahme der Schulden. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft sei stark vom Kreditgeschäft getrieben. Es bestehe deshalb die Gefahr einer neuen Finanzkrise.

Die grossen Ratingagenturen haben die Bonitätsnoten für China gesenkt.“Aus meiner Sicht muss gerade die CVP als Partei der sozialen Marktwirtschaft sich für Wohlstand und Gerechtigkeit einsetzen. Die CVP muss dafür sorgen, dass Schweizer Unternehmen mit hohem strategischem oder technologischen Wert in der Lage sein können, solche aggressiven Einflussnahmen oder gar Übernahmen durch ausländische Staatsbetriebe abzuwehren, oder an Bedingungen zu knüpfen, die den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens gewährleisten. Es stehen Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Wohlstand unseres Landes auf dem Spiel. Ein naiver Liberalismus, der glaubt, dass alles den Marktkräften zu überlassen sei, ist eine falsche Strategie. Denn auf der andern Seite stehen Staaten oder Investoren, denen entweder offene Märkte oder die Arbeitsplätze in der Schweiz nicht so wichtig sind, wie sie vor dem Kauf manchmal vorgeben.

Ein naiver Liberalismus ist nur ein Andienen an Sozialistischen Staatskapitalismus Chinesischer Prägung, oder an kurzfristig orientierte Gewinnmaximierer. Ein Einsatz für strategisch wichtige Schweizer Firmen hat nicht mit Protektionismus zu tun. Sondern mit sozialer Marktwirtschaft – einem der Grundpfeiler unseres Wohlstands. Zugunsten von Wohlstand und Gerechtigkeit.

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